Rad- und Kraftfahrerverein „Solidarität“
  Bad Lauterberg im Harz e.V.
    Radball, Radpolo und Motorsport seit 1902

Wie alles begann

von Melanie Mehlich

Im März 1902 wurde der Verein unter dem Vorsitz von Franz Maritz ins Leben gerufen. Zu dieser Zeit nannte er sich noch „freie Radler“ und war ein sogenannter „wilder Verein“. Erst ein Jahr später wurde der Verein als „Arbeiter-Rad und Kraftfahrerverein Solidarität“ durch die Anmeldung im hiesigen Magistrat durch den Vereinsvorsteher Friedrich Maeßt ordnungsgemäß gegründet. In der Anfangszeit stand das Radwandern im Vordergrund. Durch gute Kameradschaft bei Sport und geselligem Beisammensein entwickelte sich mit den Jahren ein reges Vereinsleben.

Durch den 1. Weltkrieg wurden die mühsam aufgebauten Vereinsaktivitäten immer wieder unterbrochen. Doch die Moral war nicht gebrochen und man ging daran das „Vereinsschiff“ wieder flott zu kriegen, alte Freundschaften zu knüpfen und vorhandene. So konnten wir 1927 mit vielen gewonnen Freunden und befreundeten Vereinen das 25-jährige Bestehen feiern.

Um die Aktivitäten innerhalb des Vereins noch steigern zu können, entschlossen sich die Mitglieder im Jahre 1931 ein Radfahrerheim auf dem damaligen „Heikenbergsloch“ zu errichten.

Die Schwierigkeiten des 2. Weltkrieges führten dazu, dass unser Verein am 03. Juni 1933 durch einen Beschluss des Landrates aufgelöst werden musste.

Das Vermögen, sowie Vereinsheim samt Inventar wurden sichergestellt, da es sich – laut des damaligen Regierungspräsidenten - um Sachen handele, die als „...zur Förderung staatsfeindlicher Bestrebungen bestimmt...“ anzusehen waren.

Erst 1948 konnten wir wieder mit der Aufnahme des Sportbetriebes beginnen. Das Vereinsheim wurde uns „...im Zuge der Wiedergutmachung, schlicht um schlicht...“ zurückgegeben. Eine Motorsportgruppe wurde als Bereichung des Vereins ins Leben gerufen.

Einer der Höhepunkte der bisherigen Vereinsgeschichte waren die Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen wurden mit einem Festumzug durch die Stadt und Bannerweihe im Kurpark 1952 begangen.

Durch Ferienfreizeiten und Zeltlagern, die in unserem Vereinsheim durchgeführt wurden, kamen immer mehr junge Leute in den Verein. Nun brauchte der Verein nur noch einen geeigneten Ort, um auch vom Wetter unabhängig, trainieren zu können.

Im Oktober 1963 wurde uns dann in der neu gebauten Turnhalle der Stadt Bad Lauterberg die Gymnastikhalle zur Verfügung gestellt und wir konnten so zum ersten Mal unser Training wieder aufnehmen. Die Interessen lagen zu dieser Zeit hauptsächlich beim Kunst- und Mannschaftsfahren. Erst 1965 wurde verstärkt durch eine Gruppe Radball interessierter junger Leute das Training in dieser Disziplin aufgenommen.

Bereits ein Jahr später bestritten wir unseren ersten Punktspieltag in Braunschweig und im März 1968 war unser Verein schon Ausrichter der Bezirksmeisterschaften.

Durch die Eintragung ins Vereinsregister beim Amtsgericht Herzberg im Jahre 1971und durch die Erstellung einer Satzung wurde unser Verein neu organisiert. Neue Radballräder wurden angeschafft, 2 weitere Tore in Eigenarbeit angefertigt um das Trainieren auf 2 Spielfeldern zu ermöglichen, außerdem feste Trainingszeiten eingeführt. Bereits ein Jahr später stellten sich die ersten Erfolge durch viel Fleiß und Ausdauer aller sportlich Aktiven ein. Bei den 1972 in Göttingen stattfindenden Bezirksmeisterschaften wurden alle Meister, sowohl Schüler, Jugend und auch Herren von Bad Lauterberg gestellt. Unser Verein hatte sich so einen Namen auch über die Region hinaus erspielt.

Im gleichen Jahr fanden sich auch erstmals fünf Mädchen für Radpolospiele zusammen.

1974 qualifizierten sich die Radpolo-Mädchen und Radball-Schüler auf Anhieb für die Landesmeisterschaft. Dies war sicherlich auf die erfolgreiche Nachwuchsarbeit des Vereins zurückzuführen.

Im Jahre 1977 wurde dann im Rahmen des 75-jährigen Vereinsjubiläum die norddeutsche Meisterschaft in Bad Lauterberg ausgetragen. Für die damalige Größe des Vereins - immerhin zählte unser Verein 65 Mitglieder - sicherlich ein Großereignis!

Durch unglückliche Umstände mussten wir uns dann zwischenzeitlich von unserem Vereinsheim trennen. Lange fehlte uns ein geeigneter Raum, um die Vorstandssitzungen, Mitgliederversammlungen und diverse Veranstaltungen außerhalb des Trainings abhalten zu können. Im März 1984 wurde dem Abhilfe geschaffen. Die Stadt stellte uns einen Raum im Stadthaus zur Verfügung, der mit viel Fleiß und handwerkliches Geschick einiger Mitglieder zu einem Jugendraum umgebaut wurde.

In den nun folgenden Jahren konnte der Sportbetrieb mangels veralteten Materials, fehlender talentierter Sportler mit Ergeiz das Training nicht mehr regelmäßig durchgeführten werden. Die Mitglieder beschränkten sich zu dieser Zeit wieder mehr auf das gesellschaftliche Beisammensein, wie die beliebte Wanderung zum Knollen, Zeltlager oder Tagesfahrten.

Lediglich die Radpolo-Mädchen hielten zu dieser Zeit zur Stange. Sie errangen mehrfach bei Punktspielen die vorderen Plätze und qualifizierten sich damit zur Teilnahme an den Landesmeisterschaften.

Unsere 2 Radpolo-Damen qualifizierten sich sogar für die 2. Bundesliga/Nord und erreichten nach Abschluss der Saison 1989 einen erfreulichen 6. Platz von 12 gestarteten Teilnehmern. Rund 2 Jahre spielten sie in der zweithöchsten Spielklasse, bis sie aufgrund der immer stärker werdenden Konkurrenz absteigen mußten.

Unsere Radball-Herrenmannschaft wiesen ihre Erfolge zur gleichen Zeit in der Bezirksklasse vor, wo sie bei den vorderen Plätzen immer mit dabei waren.

Anfang der 90er Jahre nahmen dann auch wieder verstärkt Jugendliche am Training teil und sammelten ihre ersten Erfahrungen bei Punktspielen. In der Saison 1991/1992 waren wieder 4 Teams am Start, sowohl in der Bezirksliga, Junioren- und Jugendklassen. Im Radpolo nahmen auch 3 Mannschaften am Training und Punktspielbetrieb teil.

Nach einer erneuten Pause von Spielbetrieb, wo wir uns wieder mehr dem Vereinsleben widmeten, können wir heute wieder eine rege Teilnahme von Jugendlichen am Training vorweisen.

In der Saison 2001/2002 starteten 2 Teams im Radball in der Junioren- und Jugendklasse und sammelten so ihre ersten Erfahrungen bei Punktspielen. Die Radball-Jugend qualifizierte sich für die Landesmeisterschaft, die im Februar 2002 im Rahmen unseres 100-jährigen Vereinsjubiläum nach langer Zeit wieder einmal in Bad Lauterberg stattfand.

Die Radpolo-Damen nahmen auch wieder am Punkspielbetrieb teil und qualifizierten sich zu der in Halle/Uchte ausgetragenen Landesmeisterschaft, wo sie einen 3. Platz erkämpften.

Der Verein kann mit Stolz auf seine 100-jährige Vereinsgeschichte zurückblicken. Sicherlich gab es zwischenzeitlich immer mal wieder einmal „Höhen und Tiefen“, aber wo gibt es die nicht. Hindernisse sind dazu da, dass sie überwunden werden, getreu dem Motto

„Wenn einer zu dem Anderen steht, dass nennt man Solidarität“

nehmen wir die nächsten 100 Jahre in Angriff!

„Frisch Auf“